Die weit verbreiteten Unstimmigkeiten und Gewalt Vorkommnisse bei den nationalen Wahlen am 9. Mai auf den Philippinen behinderten den demokratischen Prozess, der "unter ähnlich repressiven Bedingungen wie zu der Zeit des des verstorbenen Diktators Ferdinand Marcos stattfanden", sagte Séverine de Laveleye, Mitglied der Abgeordnetenkammer des Repräsentantenhauses des belgischen Bundesparlaments und Beauftragte der internationalen Beobachtermission bei den philippinischen Wahlen, als sie den Zwischenbericht der IOM vorstellte.

Die unabhängige Delegation besuchte die Regionen Central Luzon, Metro Manila, Southern Luzon, Zentral-Visayas, West-Visayas und Mindanao vom Beginn des Wahlkampfes im Februar bis zum Auftakt des Wahltages.

Mme. De Laveleye fügte hinzu, dass die Wahl an einem erhöhten Maß an Ausfällen des elektronischen Walverfahrens litt, noch mehr als je zuvor. Außerdem gab es einen massiven Stimmenkauf und ein beunruhigendes Ausmaß an vom Staat und Militär ausgehendes "Red-tagging", zahlreiche Vorfälle tödlicher Gewalt und diverse andere Unregelmäßigkeiten.

Laut IOM entsprachen die Wahlen "nicht dem Standard einer freien und fairen Wahl, da die Bedingungen, die den Wählern den Zugang zu verlässlichen Informationen, den Zugang zu den Wahllokalen und eine Wahl ohne Einschüchterung und ein glaubwürdiges System zur Stimmenauszählung, nicht gewährt wurden“.

Es wurde insbesondere ein lokaler Kandidaten in Metro Manila folgend zitiert: "noch nie in der Geschichte der Stadt war der Stimmenkauf so weit verbreitet wie im Jahr 2022, bei dem ein Kandidat PhP5 bis PhP7 Millionen pro Tag ausgab". Journalisten in Calabarzon berichteten der Delegation, dass die verteilten Beträge von PhP200 vor einigen Jahren auf PhP2.000 bis PhP4.000 bei dieser Wahl gestiegen ist.

Die IOM berichtete, dass überall "Red-Tagging" grassierte. Sogar Leni Robredo, Marcos' Hauptrivalin, und der Bürgermeister von Baguio City, Benjamin Magalong, ein ehemaliger Geheimdienstoffizier der Polizei, waren Ziel der von Lorraine Badoy, der Sprecherin der Nationalen Task Force zur Beendigung lokaler Kommunisten, Teil der Duterte-Regierung.

Bewaffnetes Militär und Polizei waren in einem der besuchten Gebiete deutlich sichtbar. Mehrere Panzer und Hubschrauber wurden in einigen Städten gesichtet. Mit dieser starken Militärpräsenz konnte die Duterte Regierung, keinen sicheren Wahlprozess gewährleisten.

Die IOM berichtete auch über Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit den Wahlen und stellte fest, dass die ersten politischen Morde im Zusammenhang mit den Wahlen am 15. Januar in Sorsogon, Region Bicol, stattgefunden haben. Diese Verstöße erfolgten in Form von politischen Morden, Schießereien, Entführungen, Todesdrohungen, politischen Verhaftungen, Schikanen und Überwachung von KandidatInnen und AnhängerInnen, sehr zahlreiches "Red-tagging", weit verbreitete Stimmenkäufe, Manipulation und Unterdrückung der Medien, gefälschte Nachrichten und Schikanen gegenüber Journalisten durch die Marcos Kampagne.

Die IOM kam zu dem Schluss, dass diese Wahl nicht als "frei und fair" bezeichnet werden kann, solange nicht alle illegalen Handlungen, die den Prozess beeinträchtigt haben, beseitigt sind. "Angesichts der Tatsache, dass das Marcos-Duterte UniTeam die berüchtigte Politik des derzeitigen Präsidenten Duterte gelobt hat, muss die internationale Gemeinschaft ihr Augenmerk verstärkt auf die die Menschenrechtssituation auf den Philippinen konzentrieren, da sie sich von hier aus nur noch weiter verschlechtern wird".

Ein Teil dieses "verstärkten internationalen Fokus", so die IOM, ist es, die scheidenden Regierungsvertreter der Duterte Regierung f“ür ihre miserable Menschenrechtsbilanz zur Rechenschaft zu ziehen".

Die International Coalition for Human Rights in the Philippines (ICHRP) und die lokale Wahlbeobachtungsstelle Kontra Daya rief die internationale Beobachtermission im Februar 2022 ins Leben.