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Published: 13 March 2026 13 March 2026

Mehr als ein halbes Jahr ist vergangen, seit Präsident Ferdinand Marcos Jr. in seiner dramatischen Rede zur Lage der Nation vor dem philippinischen Kongress und der Weltöffentlichkeit erklärte, er wolle der massiven Korruption in der Regierung ein Ende setzen. Er präsentierte auf einer Leinwand eine Liste der größten dubiosen Projekte und Auftragnehmer und eröffnete öffentlich die Website „Isumbong mo sa Presidente“ („Melde es dem Präsidenten“), auf der jede und jeder Informationen und Beschwerden über Unregelmäßigkeiten bei der Finanzierung und Umsetzung von Hochwasserschutz-und anderen staatlichen Projekten einstellen konnte.

Die Website wurde umgehend mit Daten aus der Bevölkerung überflutet. Sowohl die traditionellen Medien als auch die sozialen Netzwerke griffen die Vorwürfe auf, besonders wirkungsvoll durch investigative Journalisten. Protestaktionen und Demonstrationen nahmen an Intensität zu. Der Machtkampf zwischen den beiden großen politischen Lagern, den Familien Marcos und Duterte, erreichte eine existenzielle Zuspitzung. Ausschüsse in beiden Kammern des Kongresses führten zunehmend belastende Untersuchungen gegen Spitzenpolitiker, hochrangige Beamte, Auftragnehmer und Vermittler durch. Das politische Bewusstsein reichte bis auf die Straße.

Viele verdächtigte hohe Amtsträger und VIPs flohen ins Ausland oder tauchten schlicht unter, um sich der Verantwortung zu entziehen. Ein Staatssekretär beging angeblich „Selbstmord“. Unter Druck setzte Marcos Jr. eine Unabhängige Infrastrukturkommission ein, entließ Minister, Staatssekretäre und weitere Beamte und nahm eine Umbildung seines Kabinetts vor. Lautstark verkündete er, die großen Fische würden Weihnachten im Gefängnis verbringen. Ende Januar sitzen jedoch lediglich einige wenige kleine Fische hinter Gittern oder vor Gericht.

Noch schwerwiegender ist, dass Marcos Jr. im Haushalt 2026 umfangreiche Mittel zuließ, die nach dem Prinzip eines Pork-Barrel-Systems eingesetzt werden können. Senatoren und Abgeordnete könnten diese Mittel nutzen, um Wahlen zu beeinflussen, und zugleich davon abgehalten werden, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Marcos Jr. einzuleiten.

So rollt der schamlose Schneeball der Korruption im Regime weiter – und wird immer größer.

Doch ein rollender Schneeball platzt, wenn er den Fuß des Hügels erreicht.

Während Proteste und Forderungen nach dem Sturz sowohl von Marcos Jr. als auch von Vizepräsidentin Sara Duterte an Stärke gewinnen, zeigen sich erste Anzeichen von Unruhe innerhalb des Militärs. Trotz wiederholter Beteuerungen der Führung der Streitkräfte der Philippinen (AFP), man halte sich strikt an die Verfassung und die Befehlskette, treten Risse zwischen Einheiten zutage, die jeweils einer der politischen Fraktionen loyal sind.

Ein Armeeoffizier, Oberst Audie Mongao, derzeit Direktor des Trainings- und Entwicklungszentrums unter dem AFP-Ausbildungskommando, erklärte auf seinem Facebook- Account öffentlich seinen Rückzug der Unterstützung für Marcos Jr. als Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er fügte hinzu, Marcos Jr. habe bereits die „moralische Autorität“ verloren, die Streitkräfte zu führen. Der Beitrag verbreitete sich viral.

Zuvor war der pensionierte Generalmajor der Luftwaffe Romeo Poquis, einer der Gründer der United People’s Initiative (UPI), einer Organisation pensionierter Militärs mit Nähe zur Familie Duterte, wegen Aufwiegelung zur Rebellion festgenommen worden. Er hatte eine UPI-Kundgebung nahe dem Hauptquartier der Nationalpolizei angeführt und aktive Generäle dazu aufgerufen, Marcos Jr. angesichts der Korruptionsvorwürfe die Unterstützung zu entziehen.